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Normdaten –
Was sie können, wo du sie findest

Normdaten“, das ist erst einmal ein sperriger Begriff, der eher an DIN-Richtlinien als an wissenschaftliches Arbeiten erinnert. Doch keine Panik: Was kompliziert klingt, ist eine enorme Arbeitserleichterung.

Was sind „Normdaten“?

Voraussichtlich stößt du auf diesen Begriff, wenn du Texte oder Artefakte digitalisieren, katalogisieren oder archivieren möchtest. In eine Datenbank oder XML-Datei musst du dann nicht nur den Personennamen oder einen bestimmten Ort eintragen, sondern auch eine Nummer, die die jeweilige Entität bestimmt.

Normdaten sind „normierte“ Datensätze, beispielsweise von Personen, Geografika oder Organisationen. Mit ihrer Nutzung stellst du sicher, dass du mit „Max Beckmann“ den Künstler meinst und nicht deinen ehemaligen Klassenkameraden. Hast du die Nummer einmal ausfindig gemacht, kannst du im dazugehörigen Datensatz weitere Informationen recherchieren, beispielsweise alternative Schreibweisen beziehungsweise Namensvarianten: Max Beckmann wird mancherorts eben auch „Maks Bekman“ geschrieben – dennoch handelt es sich um dieselbe Person.

Warum werden Normdaten überhaupt eingesetzt?

Normdaten kommen immer dann zum Einsatz, wenn Entitäten eindeutig benannt werden sollen. Beispielsweise wenn ein Brief digitalisiert und in XML ausgezeichnet wird: Wer schreibt an wen? Folgende Vorteile ergeben sich aus der Nutzung von Normdaten:

  • Eindeutige Zuordnung von Entitäten
  • Einfache Auszeichnung („Tagging“) ist möglich
  • Unabhängigkeit von Schreibweisen
  • Vernetzung: Verschiedene Projekte können auf eine bestimmte Entität referenzieren und diese anreichern.

Wo kannst du standardisierte Daten finden?

 

Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Hier geht’s zur DNB …

Die „Gemeinsame Normdatei“ (GND) der Deutschen Nationalbibliothek ist meist die erste Anlaufstelle für die eigene Recherche. Gerade Bibliotheken müssen natürlich eine eindeutige Katalogisierung gewährleisten: Namen und Orte müssen genau zugeordnet werden, um nicht in einer Flut von Dupletten zu versinken. Die Gemeinsame Normdatei wird von den an die Deutsche Nationalbibliothek angeschlossenen Einrichtungen gemeinsam geführt.

Und so geht’s: Bleiben wir bei unserem Beispiel Max Beckmann. So kannst du seine eindeutige Nummer ausfindig machen:

Schritt 1: Namen eingeben:

Schritt 2: Rechts in der Sidebar gewünschte Datenart festlegen:

 

Schritt 3: Gewünschte Person wählen:

Schritt 4: Nummer finden:

Online-GND (OGND) des Bibliothekszentrums Baden-Württemberg

Hier geht’s zur OGND …

Die Online-GND ist unser persönlicher Favorit. Zwar sind in der DNB teilweise noch mehr Entitäten verzeichnet, doch sind die Informationen hier teilweise noch reichhaltiger und vor allem übersichtlicher (wenngleich das natürlich Geschmackssache ist).

Starten wir also die Suche:

Und das Ergebnis:

Benötigst du weitere Informationen oder bist du dir ggf. nicht sicher, ob du wirklich bei der richtigen Entität gelandet bist? Dann kannst du die Einträge auch abgleichen. Dazu kopierst du einfach die GND-Nummer und suchst in der Datenbank der Deutschen Nationalbibliothek danach. Wie beiden Portale lassen sich gut kombinieren.

lobid-gnd

Hier geht’s zu lobid-gnd …

Wer eine noch übersichtlichere Rechercheoberfläche haben möchte, dem sei lobid-gnd empfohlen. Sie ist eine Entwicklung des hbz (Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen). Der Dienst befindet sich noch in Entwicklung, ist aber schon als Beta-Version verfügbar. Es handelt sich hier um eine Schnittstelle: Die Daten werden aus der GND gezogen und übersichtlich gelistet; die Piktogramme ganz links zeigen dir, um welchen Datentyp (Person, Ort, Werk etc.) es sich handelt.

Das Highlight: Der Dienst stellt auch sämtliche Datenbeziehungen übersichtlich dar und kann so deine Recherche erleichern:

GeoNames

Hier geht’s zu GeoNames …

Welches York noch einmal? Und gibt es nicht auch einige Berlins auf dieser Welt? Um sicherzugehen, dass du deine Archivalien auch dem richtigen Ort zuordnest, kannst du natürlich mit Koordinaten arbeiten. Die Webseite GeoNames stellt dir alle Informationen zur Verfügung, die du brauchst. Auch die GND der Deutschen Nationalbibliothek greift darauf zurück und reichert die Geografika mit den hier gelisteten Koordinaten an. Suchst du also dort nach einem Ort, erhältst du die entsprechende GND-Nummer sowie meist auch die Koordinaten, die aus GeoNames gezogen werden.

Getty Thesaurus of Geographical Names (TGN)

Hier geht’s zu Getty TGN …

Auch diese Datenbank kann deine geografischen Daten anreichern. Über eine Million Datensätze sind hier verfügbar. Geografika werden typisiert und hierarchisiert:

DARIAH Geo-Browser

Hier geht’s zum DARIAH Geo-Browser …

Der Geo-Brwoser wurde von DARIAH entwickelt, der „Digitalen Forschungsinfrastruktur für die geistes- und Kulturwissenschaften“. Und damit ist auch der Einsatzbereich klar: Mit dem Geo-Brwoser können relationale Daten – die Verknüpfung einer Raum- und Zeit-Information visualisiert und übereinander gelegt werden. So ist es beispielsweise möglich, archäologische Funde zu mappen, Publikationsdaten von Werken, politische Umbrüche etc.

Im hauseigenen „Editor“ (oben links in der Menüleiste) kannst du deine Datensätze in den Geo-Browser einspeisen:

Wikidata

Hier geht’s zu Wikidata …

Wikidata ist eine frei zugängliche und bearbeitbare Sammlung strukturierter Daten. Ähnlich wie die Wikipedia ist sie darauf angewiesen, dass sich zahlreiche Personen am Aufbau der Datenbank beteiligen: Entitäten können hinzugefügt, angereichert, verknüpft und korrigiert werden.

Wikidata sammelt alle möglichen Informationen, dabei hat jedes Objekt eine eigene Nummer – ähnlich wie in der GND. Auch hier gibst du den gesuchten Begriff ein und erhältst zahlreiche zugehörige Angaben sowie die jeweiligen Referenzen – also die Quellen, aus denen Wikidata die Informationen zieht. Die eindeutige Objektnummer findest du stets direkt hinter dem Namen der Entität:

Selbstverständlich kannst du hier auch selbst Daten einpflegen: Wie auch bei Wikipedia lebt das Projekt von kollaborativer Zusammenarbeit. Eine gute Gelegenheit, eventuelle Lücken der anderen Datenbanken zu schließen …

Ein langes Leben für dein Projekt: Normdaten ermöglichen Nachnutzbarkeit

Sobald du dein Forschungsprojekt aus der Wiege hebst, solltest du dir Gedanken zu dessen Nachnutzbarkeit machen. Die Arbeit mit standardisierten Daten ermöglicht, dass auch andere Personen mit deinen Forschungsergebnissen arbeiten und Daten projektübergreifend anreichern können.

Du kannst dafür mit den hier genannten Thesauri arbeiten – und falls du nicht fündig wirst, gib nicht auf: Vielleicht existieren weitere internationale Datenbanken, die bereits Informationen zu deinem ganz speziellen Thema liefern.

Also dann: Viel Spaß bei der Normdaten-Schnitzeljagd! Und falls du Fragen hast, einfach melden 😉 …

 

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