Zum Inhalt springen

#6 Notizen: Dorothee Haffner (HTW Berlin) –
Über den Weg der Museen ins Digitale

Inwiefern kann das ‚Digitale‘ in die Museen einziehen – oder ist vielleicht schon da? Prof. Dr. Dorothee Haffner ist Professorin für Museumsdokumentation an der HTW Berlin. Sie verrät, wie wichtig digitale Sammlungserschließung und -präsentation sind, und berichtet über innovative Vermittlungsformate im Berliner Zentrum Industriekultur.

Für alle, die keine Zeit zum Zuhören haben oder sich einfach einen Überblick über das Gespräch wünschen, haben wir hier die wichtigsten Thesen und Hintergrundinfos zusammengetragen.


Thesen Thesen | Tipps Tipps für Studierende | Hintergrundinfos Hintergrundinfos


Thesen

Museen und digitale Sammlungserschließung

  • Museen haben laut Definition des International Council of Museums fünf Hauptaufgaben: Sammeln, Bewahren. Erforschen, Erschließen und Vermitteln.
  • Je mehr Objekte, desto dringender ist es, diese digital zu verwalten: Museumsdokumentation heißt, ein Objekt in einer Datenbank ‚vernünftig‘ zu erschließen, also – im Fall eines Kunstmuseums – Informationen zum Objekt wie Titel, Künstler, Entstehungsland, Informationen zu vergangenen Ausstellungen etc. zu erfassen.
  • Museums- und Sammlungsmanagement bedeutet, die Objekte ‚zu managen‘. Dazu gehört das Wissen um die Sammlungen im Depot sowie das Wissen um deren Verbleib in Restaurierungszusammenhängen bzw. in vergangenen, aktuellen und zukünftigen Ausstellungen.
  • Eine gute Erschließung sollte unter Verwendung von Normdaten stattfinden.
  • Struktur muss sein, aber die perfekte Ordnung gibt es nicht – auch nicht in Datenbanken. Also keine Panik, ein bisschen Unordnung ist der Normalfall und sollte nicht von der weiteren Sammlungserschließung abhalten.
  • Jedes Museum bräuchte eigentlich eine:n Museologen/in! Schön wäre, wenn sich dieser Bedarf zukünftig auch in Stellen umsetzen würde – wenn die Bedeutung dieser vermeintlich geringgeschätzten Tätigkeiten des Verwaltens, des Organisierens, des Managens der Sammlung klarer gesehen würde.
  • Das genaue Erschließen ist auch deswegen so wichtig, weil gute Museumsarbeit nicht stattfinden kann, wenn man nichts über die Objekte weiß. Es ist der Ausgangspunkt von allem.

Digitale Vermittlungsarbeit

  • Wenn man im Internet nicht sichtbar ist, dann ist man nicht vorhanden. Mit der zunehmenden Online-Präsentation von Objekten wachsen auch die Besucher:innenzahlen. Wenn Menschen sehen, was im Haus gezeigt wird, wächst auch das Interesse an den konkreten Sammlungsgegenständen. Dabei hat die von Walter Benjamin beschwörte „Aura des Objekts“ keinesfalls etwas eingebüßt, im Gegenteil: Digitale Präsentationen führen dazu, dass Menschen bewusst ins Museum gehen, um sich die Originale gezielt anzuschauen.
  • Instrumente der Vermittlungsarbeit wie Apps, ‚Digitorials‘ u.a. basieren letztendlich auf einer guten Sammlungserschließung.

Langzeitarchivierung digitaler Daten und Artefakte

  • In vielen Museen ist die Langzeitarchivierung bzw. Langzeitverfügbarkeit digitaler Daten noch nicht ausreichend sichergestellt. Hier muss ein Bewusstsein entstehen, dass auch der Erhalt digitaler Informationen wichtig ist. Sollte dies nicht mit eigenen Mitteln möglich sein, können auch externe Dienstleister Langzeit-Repositorien aufbauen. Auch hier gilt natürlich wieder: eine entsprechende finanzielle Ausstattung ist wünschenswert.
  • Viel genuin digitale Kunst wird nicht überleben, da die Langzeitarchivierung der Artefakte schlicht und ergreifend zu teuer ist.

Provenienzforschung und ihre digitalen Werkzeuge

  • Im Bereich ‚digitale Provenienzforschung‘ lohnt sich die Zusammenarbeit zwischen Informatiker:innen und Geisteswissenschaftler:innen, um weitere gute Recherchewerkzeuge zu entwickeln.
  • Museen könnten noch mutiger sein, Ergebnisse aus ihrer Provenienzforschung in die Objektdatenbanken zu übernehmen und sichtbar zu machen. Entsprechende Persönlichkeitsrechte, bspw. von Voreigentümer:innen, der aktuellen Eigentümer:innen nach Restitution etc., müssten jedoch vor Veröffentlichung geklärt werden.

Tipps für Studierende

  • Je nach Interesse kannst du auf einen Bachelor in Museologie / Museumskunde einen weiterführenden Master aufbauen. Beispielsweise direkt an der HTW, aber auch beispielsweise an der HU Berlin (Bibliotheks- und Informationswissenschaft), wenn du dich insbesondere für das Erschließen von Objekten interessierst. Auch Ausstellungsgestaltung oder Medieninformatik sind Weiterbildungsmöglichkeiten. Schau einfach mal unten im Glossar nach, wir haben dir relevante Studiengänge unter den im Interview erwähnten Unis verlinkt
  • Du interessierst dich für die konsekutiven Masterstudiengänge der HTW, hast aber den Bachelor nicht belegt? Dann sammle am besten schon vorher praktische Erfahrungen. Vielleicht kannst du in dein Studium schon das ein oder andere Museumspraktikum integrieren oder einfach eine ‚praktische Pause‘ einlegen, bevor es nach dem Bachelor weitergehen soll. Berufserfahrungen sind in jedem Fall von Vorteil – wenn auch keine Voraussetzung. Alternativ gibt es auch klassische ‚Brückenkurse‘.
  • Wenn du in der Museumsdokumentation aktiv werden möchtest, solltest du dich mit Provenienzforschung auseinandersetzen. Schau dir einfach mal in die unten verlinkten Datenbanken oder lies dich in Bénédicte Savoys Schriften ein. Ihre Vorlesung Die Provenienz der Kultur (erschienen bei Matthes & Seitz Berlin) ist ein so guter erster Einstieg.
  • Dich interessieren Statistiken rund ums Museum? Dann sieh dich auf der Seite des Instituts für Museumsforschung Berlin um, hier findest du viele nützliche Informationen.
  • Du begeisterst dich für Wissensvermittlung per App? Dann ist Actionbound etwas für dich! Hier kannst du eigene Challenges (sogenannte Bounds) kreieren und basales Handwerkszeug kennenlernen.
  • Begib dich ins Museum! Schau einfach mal, was Museen im Digitalen zu bieten haben, woran du selbst interessiert bist! Deine Ideen sind vielleicht die Vermittlungsformate der Zukunft …

Hintergrundinfos

 

Prof. Dr. Dorothee Haffner

… ist Professorin für Museumsdokumentation an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin. Ganz genau heißt ihre Stelle: ‚EDV im Museum, Dokumentation und Medien‘. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die digitale Sammlungsdokumentation und Provenienzforschung sowie Textilgeschichte (insb. Stoffmusterbücher) – während ihres Studiums arbeitete sie auch zur Baugeschichte. Dorothee Haffner ist außerdem Leiterin des Berliner Zentrum Industriekultur.

Infos zu Dorothee Haffner

Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) wurde 1994 gegründet und zählt heute fast 14.000 Studierende in 70 Studiengängen. Die anwendungsbezogene Hochschule fokussiert die Bereiche Gestaltung, Informatik, Kultur, Technik und Wirtschaft.

Ein Standort der HTW liegt in Oberschöneweide, auf dem Gelände einer ehemaligen AEG-Fabrik. Die Anlage ist Teil der historischen Industriekultur, s. Berliner Zentrum Industriekultur (BZI).

Infos zur HTW Berlin

Infos zum Bachelor-Studiengang „Museologie / Museumskunde“

Infos zum konsekutiven Master-Studiengang „Museumsmanagement und -kommunikation“

Prometheus Bildarchiv

Das Prometheus Bildarchiv ist aus einem Projekt der Hochschule Anhalt, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Universität zu Köln hervorgegangen und wurde gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Bereitgestellt werden fast drei Millionen Bilder aus dem Kulturbereich, nutzbar für Forschungs- und Lehrzwecke.

Infos zum Bildarchiv Prometheus

Deutscher Museumsbund e.V.

Der Deutsche Museumsbund e.V. ist ein deutscher Interessenverband. Er hat eine beratende, aber auch eine unterstützende Funktion. Seit seiner Gründung im Jahr 1917 bildeten sich verschiedene Arbeitskreise und Fachgruppen heraus, so beispielsweise für „Dokumentation“ sowie „Bildung und Vermittlung“.

Infos zum Deutschen Museumsbund e.V.

Erschließung

Die Erschließung von Sammlungen beziehungsweise Objekten – seien es Gemälde, Bücher oder andere Sammlungsgegenstände – erfordert die Erfassung von Daten wie Titel, Autor, bestandshaltende Institution, Signatur, erwähnte Personen etc. Aufgrund dieser Informationen können Objekte geordnet und in einer Datenbank überhaupt erst recherchierbar gemacht werden. Optimalerweise werden Normdaten genutzt, um die Informationen eindeutig zu referenzieren. Unterteilt wird in Formal- und Sacherschließung, letztere dokumentiert auch Inhalte. Für die verschiedenen Sammlungsbereiche existieren Erschließungsstandards, die stetig weiterentwickelt werden.

Präsentation von Dr. Heike Neuroth und Dr. Mirjam Blümm (Universität Würzburg): Einführung in Erschließung und Metadaten.

Präsentation von Prof. Dr. Monika Hagedorn-Saupe (Institut für Museumsforschung): Erschließung im Museum: Herausforderungen und Standards. Erschließung im Museum: Herausforderungen und Standards (2017).

Publikation von Katrin Teichmann: Erschließung musealer Sammlungen im Kontext digital basierter Informationsbereitstellung dargestellt am Beispiel der Grafischen Sammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig (= Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft; 276). Berlin: Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin 2010.

Museumsdokumentation

Museumsdokumentation ist Museums- und Sammlungsmanagement auf IT-Basis. Dazu gehört u.a. die Erschließung der Bestände sowie deren Zugänglichmachung.

Infos zum Thema

Normdaten

Normdaten sind „normierte“ Datensätze, beispielsweise von Personen, Geografika oder Organisationen. Mit ihrer Nutzung stellst du sicher, dass du mit „Max Beckmann“ den Künstler meinst und nicht deinen ehemaligen Klassenkameraden. Hast du die Nummer einmal ausfindig gemacht, kannst du im dazugehörigen Datensatz weitere Informationen recherchieren, beispielsweise alternative Schreibweisen beziehungsweise Namensvarianten: Max Beckmann wird mancherorts eben auch „Maks Bekman“ geschrieben – dennoch handelt es sich um dieselbe Person.

Mehr Infos im Wissensblog

Gemeinsame Normdatei

Die „Gemeinsame Normdatei“ (GND) der Deutschen Nationalbibliothek ist meist die erste Anlaufstelle für die eigene Recherche. Gerade Bibliotheken müssen natürlich eine eindeutige Katalogisierung gewährleisten: Namen und Orte müssen genau zugeordnet werden, um nicht in einer Flut von Dubletten zu versinken. Die Gemeinsame Normdatei wird von den an die Deutsche Nationalbibliothek angeschlossenen Einrichtungen gemeinsam geführt.

Wie du sie nutzt (Wissensblog)

Hier geht’s zur DNB

GeoNames

Welches York noch einmal? Und gibt es nicht auch einige Berlins auf dieser Welt? Um sicherzugehen, dass du deine Archivalien auch dem richtigen Ort zuordnest, kannst du natürlich mit Koordinaten arbeiten. Die Webseite GeoNames stellt dir alle Informationen zur Verfügung, die du brauchst. Auch die GND der Deutschen Nationalbibliothek greift darauf zurück und reichert die Geografika mit den hier gelisteten Koordinaten an. Suchst du also dort nach einem Ort, erhältst du die entsprechende GND-Nummer sowie meist auch die Koordinaten, die aus GeoNames gezogen werden.

Wie du GeoNames nutzt (Wissensblog)

Hier geht’s zu GeoNames

Art & Architecture Thesaurus Online

Der Art & Architecture Thesaurus wird vom Getty Research Institute herausgegeben und dient der Objekterschließung. Er ist in mehreren Sprachen verfügbar und gilt damit als internationaler Standard. Ein deutschsprachiger Zugang befindet sich in Entwicklung.

Zur Website

Datenbank, relationale

Relationale Datenbanken stellen Beziehungen zwischen einzelnen Informationen her. Dabei wird jeder Datensatz mit einer Identifikationsnummer versehen und kann so mit anderen verknüpft werden.

Mehr Infos im Video

Structured Query Language (SQL)

SQL ist eine Datenbanksprache, die für relationale Datenbanken verwendet wird. Um Datenbankabfragen so effizient wie möglich zu gestalten, wurde eine eigene Sprache mit entsprechenden Vokabularien entwickelt – mit Ausdrücken wie bspw. „create table“ oder „drop index“.

Mehr Infos im Video

Microsoft Access

Access ist eine Anwendung von Microsoft, im Office-Paket enthalten und damit einfach zu installieren. Mit dem Programm lassen sich relativ niedrigschwellig relationale Datenbanken erstellen.

Zur Produktseite von Microsoft

Digitorial

Das Digitorial ist eine Frankfurter Entwicklung von SCHIRN, Städel und Liebieghaus und gewissermaßen ein Audioguide 4.0: Auf einem Tablet erhalten Besucher:innen Informationen zu Gemälden, zur Kunst der Moderne u.a. So wird der Ausstellungsbesuch durch eine Art ‚pädagogisches Storytelling‘ lebendig.

Zur Website des Städel Museums

museum-digital

museum-digital ist ein Projekt der einzelnen Museumsämter jedes Bundeslands. Angestrebt wird eine gemeinsame digitale, niedrigschwellige Bestandsdokumentation und -publikation. Bis heute sind bereits fast 600.000 Objekte aus ca. 800 Museen verzeichnet. Mit Zustimmung der Datengeber werden die Informationen in die Deutsche Digitale Bibliothek gespielt.

Zum museum-digital

Deutsche Digitale Bibliothek

Die Deutsche Digitale Bibliothek vernetzt. Sie ist eine rein virtuelle Bibliothek, die als gemeinsame Plattform von ca. 30.000 deutschen wissenschaftlichen und kulturellen Institutionen auftritt. Mit der Datenbank soll Wissen frei zugänglich zur Verfügung gestellt werden.

Die Deutsche Digitale Bibliothek verfügt über eine Schnittstelle zur Europeana.

Mehr Infos zur Deutschen Digitalen Bibliothek

Repository

Ein ‚Repository‘ oder auch ‚Repositorium‘ ist eine Art digitales Archiv: In einem Verzeichnis werden digitale Entitäten gespeichert. Es ist damit die Grundlage virtueller Kataloge etc.

Infos im Video (GitHub)

Zuse-Institut Berlin (ZIB)

Das Zuse-Institut arbeitet interdisziplinär und unterstützt Wissenschaft und Forschung mit entsprechenden digitalen Infrastrukturen. Es ist sowohl Forschungseinrichtung als auch forschungsnaher Dienstleister.

Website des Zuse-Instituts

Getty Museum Challenge

Unter dem Hashtag #GettyMuseumChallenge wurden Kunstwerke in den Alltag des 21. Jahrhunderts überführt und neu interpretiert.

Infos zum Projekt

Zentrum für Kunst und Medien (ZKM), Karlsruhe

Das ZKM wurde 1989 gegründet und befindet sich in einer ehemaligen Karlsruher Munitionsfabrik. Schwerpunkte sind die moderne Medialität, Digitalisierung und Globalisierung. Damit beherbergt das ZKM auch digitale Kunst.

Zur Website

Berliner Zentrum Industriekultur (BZI)

Das Berliner Zentrum Industriekultur ist ein Kooperationsprojekt der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin und der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin. Städtebauliche Besonderheiten der ‚Industriestadt Berlin‘ sollen sichtbar und erlebbar gemacht werden. Dabei bezeichnet ‚Industriekultur‘ die Gesamtheit sämtlicher Gebäude und Infrastrukturen, die mit Industrie zu tun haben und von der industriellen Vergangenheit und Gegenwart zeugen: Fabrikanlagen, Verkehrswege, aber auch Krankenhäuser etc. Diese Anlagen entstanden im Zuge der Industrialisierung, um den Ansprüchen der insbesondere in den Industriestädten wachsenden Bevölkerung gerecht zu werden.

Die initiale Projektidee kam aus dem Berliner Kultursenat. Auch der HTW-Campus in Oberschöneweise, ansässig auf einem ehemaligen AEG-Gelände, ist Teil dieser Berliner Industriekultur. Weitere Standorte werden in Form einer interaktiven Karte sichtbar gemacht.

Zur Website des BZI

Interaktive Karte: Berliner Industriekultur im Überblick

Provenienzforschung

Jeder Gegenstand hat eine Geschichte – einen Entstehungskontext, Produktionswege, (Vor-)Besitzer:innen etc. Die Provenienzforschung durchleuchtet die Historie von Kulturgütern und kann im Idealfall ihre Herkunfts-, Entstehungs- und Lebensgeschichte rekonstruieren. Die drei größten ‚Bereiche‘ der Provenienzforschung sind:

  • NS-Raubkunst (bspw. Enteignungen jüdischer Familien)
  • Beutekunst (bspw. russische Kriegsbeute)
  • Enteignungen in der sowjetisch besetzten Zone (SBZ) / DDR
  • Aneignungen im Rahmen der Kolonialgeschichte

Das Problem: Nicht immer lassen sich Herkunftsangaben klären. So sind bspw. nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche nicht zuordenbare Objekte in die deutschen Museen überführt worden. Der Umgang mit geraubten Objekten oder Kunstwerken ungeklärter Provenienz ist in vielen Fällen nicht abgeschlossen. Richtungsweisend für den Umgang mit entsprechenden Kulturgütern sind die sogenannten Washington Principles, die eventuelle Rückgaben nicht mit (meist verjährten) juristischen, sondern mit moralisch-ethischen Argumenten begründen.

Digitale Werkzeuge erleichtern die Provenienzforschung enorm, aktuell existieren weltweit über 70 Datenbanken wie der Bestand B 323 (Treuhandverwaltung von Kulturgut bei der Oberfinanzdirektion München) im Bundesarchiv und das National Archive in den USA (Fold3). Außerdem legen immer mehr Museen ihre Zugangsbücher offen. Hilfreich ist außerdem die Datenbank digitalisierter Auktionskataloge (German Sales), entwickelt in einem Gemeinschaftsprojekt der Universitätsbibliothek Heidelberg, des Getty Research Institutes und der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin.

Informationen der Kulturstiftung der Länder

‚Leitfaden Provenienzforschung‘ des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste [u.a.]

Washington Principles

Die Washington Principles wurden im Rahmen einer Konferenz entwickelt, die 1998 in Washington D.C. stattfand. Folgende elf Prinzipen wurden erarbeitet (zit. nach Deutsches Zentrum Kulturgutverluste), die ausschließlich appellativen Charakter haben und öffentliche Einrichtungen betreffen:

  1. Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und in der Folge nicht zurückerstattet wurden, sollten identifiziert werden.
  2. Einschlägige Unterlagen und Archive sollten der Forschung gemäß den Richtlinien des International Council on Archives zugänglich gemacht werden.
  3. Es sollten Mittel und Personal zur Verfügung gestellt werden, um die Identifizierung aller Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und in der Folge nicht zurückerstattet wurden, zu erleichtern.
  4. Bei dem Nachweis, dass ein Kunstwerk durch die Nationalsozialisten beschlagnahmt und in der Folge nicht zurückerstattet wurde, sollte berücksichtigt werden, dass aufgrund der verstrichenen Zeit und der besonderen Umstände des Holocaust Lücken und Unklarheiten in der Frage der Herkunft unvermeidlich sind.
  5. Es sollten alle Anstrengungen unternommen werden, Kunstwerke, die als durch die Nationalsozialisten beschlagnahmt und in der Folge nicht zurückerstattet identifiziert wurden, zu veröffentlichen, um so die Vorkriegseigentümer oder ihre Erben ausfindig zu machen.
  6. Es sollten Anstrengungen zur Einrichtung eines zentralen Registers aller diesbezüglichen Informationen unternommen werden.
  7. Die Vorkriegseigentümer und ihre Erben sollten ermutigt werden, ihre Ansprüche auf Kunstwerke, die durch die Nationalsozialisten beschlagnahmt und in der Folge nicht zurückgegeben wurden, anzumelden.
  8. Wenn die Vorkriegseigentümer von Kunstwerken, die durch die Nationalsozialisten beschlagnahmt und in der Folge nicht zurückgegeben wurden, oder ihre Erben ausfindig gemacht werden können, sollten rasch die nötigen Schritte unternommen werden, um eine gerechte und faire Lösung zu finden, wobei diese je nach den Gegebenheiten und Umständen des spezifischen Falls unterschiedlich ausfallen kann.
  9. Wenn bei Kunstwerken, die nachweislich von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und in der Folge nicht zurückgegeben wurden, die Vorkriegseigentümer oder deren Erben nicht ausfindig gemacht werden können, sollten rasch die nötigen Schritte unternommen werden, um eine gerechte und faire Lösung zu finden.
  10. Kommissionen oder andere Gremien, welche die Identifizierung der durch die Nationalsozialisten beschlagnahmten Kunstwerke vornehmen und zur Klärung strittiger Eigentumsfragen beitragen, sollten eine ausgeglichene Zusammensetzung haben.
  11. Die Staaten werden dazu aufgerufen, innerstaatliche Verfahren zur Umsetzung dieser Richtlinien zu entwickeln. Dies betrifft insbesondere die Einrichtung alternativer Mechanismen zur Klärung strittiger Eigentumsfragen.

Zur PDF

Optical Character Recognition (OCR)

‚OCR‘ bezeichnet die automatisierte Texterkennung in Bildern – meist durch vorherige Konvertierung des Bildes bzw. Scans in ein PDF-Dokument. Um auch Frakturschriften möglichst fehlerfrei in Volltext ‚übersetzen‘ zu können, muss die jeweils genutzte OCR-Erkennungssoftware in vielen Fällen auf den jeweiligen Schrifttyp trainiert werden. Um eine noch genauere und effiziente automatisierte Texterkennung zu ermöglichen, haben sich verschiedene Entwicklungsprojekte herausgebildet, allen voran OCR-D.

Zur Website von OCR-D

Prof. Dr. Meike Hopp

… ist Juniorprofessorin für Digitale Provenienzforschung an der TU Berlin im Fachgebiet Kunstgeschichte der Moderne.

Mehr Informationen zu Prof. Dr. Meike Hopp

Savoy, Bénédicte

… ist Professorin an der TU Berlin und Leiterin des Fachbereichs Kunstgeschichte der Moderne. Sie ist Expertin für Kunst- und Kulturtransfer in Europa sowie Leibniz-Preisträgerin.

Mehr Informationen zu Bénédicte Savoy

Vokabular, kontrolliertes

Ein kontrolliertes Vokabular bezeichnet einen festgelegten Wortschatz (Thesaurus). Möglichst eindeutige Begriffsdefinitionen erlauben präzise Zuordnungen und Abfragen; sie sind in der Arbeit mit Datenbanken essenziell.

Infos zum Thema

International Council of Museums (ICOM)

Der ‚International Council of Museums‘ oder ‚Internationale Museumsrat‘ hat seinen Sitz in der UNESCO-Hauptverwaltung in Paris und wurde 1946 gegründet. Es handelt sich um eine nicht-staatliche Organisation. Das deutsche Nationalkomitee (ICOM Deutschland) agiert von Berlin aus. Im ICOM arbeiten 118 Länder zusammen. Er ist sowohl eine Interessenvertretung für Museen, entwickelt aber auch Vermittlungsformate, Standards für die Museumsarbeit etc., an denen sich Fachleute weltweit orientieren können.

Zur Website des ICOM

Institut für Museumsforschung

Das Institut für Museumsforschung ist bundesweit tätig und gehört zu den Staatlichen Museen zu Berlin. Es wurde 1979 gegründet. Hier entstehen beispielsweise Arbeiten zur Besucher:innenforschung, zur Langzeitarchivierung und Museumsdidaktik. Das Institut für Museumsforschung unterstützt als Bundesinstitution auch die Regional- und Landesmuseen.

Zur Website des Instituts für Museumsforschung

berlinHistory

berlinHistory ist eine App, die die Geschichte Berlins lebendig macht – zumindest virtuell. Sie wurde u.a. mit dem Grimme Online Award nominiert. Du wohnst in Berlin und möchtest wissen, was in deiner Nachbarschaft früher so los war? Dann kannst du beispielsweise die Funktion „in der Nähe“ nutzen – inklusive Vorher-Nachher-Kamera.

Zur App

Prof. Dr. Tobias Nettke

… lehrt an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin. Sein Fachgebiet ist Bildung und Vermittlung in Museen – also Museumspädagogik -, Kommunikation und Kulturvermittlung.

Mehr Infos zu Prof. Dr. Tobias Nettke

Actionbound

Actionbound ist eine App, mit der man richtig viel lernen kann – eine Schnitzeljagd mit spannenden Fakten. Beispielsweise kannst du nach einem Bauwerk suchen, Fragen dazu beantworten und Punkte sammeln. Ein sogenannter Bound ist eine Ralley, die du allein oder in einer Gruppe spielen kannst; die Inhalte dazu werden erst nach dem Start heruntergeladen. Insgesamt gibt es aktuell fast 500.000 Bounds! Übrigens kannst du auch selbst einen Bound erstellen. Auch öffentliche Institutionen nutzen die Anwendung, um ein eigenes inhaltsbasiertes Geocaching zu erstellen und damit interaktiv Kultur zu vermitteln.

Zur Website / Anwendung

Zum YouTube-Tutorial

Technische Universität Berlin

Die Technische Universität Berlin zählt zu den 20 größten Hochschulen Deutschlands und hält über 100 Studienangebote bereit.

Infos zum Bachelor Wissenschafts- und Technikgeschichte

Infos zum Master Kunstwissenschaft

Humboldt-Universität zu Berlin

Die Humboldt-Universität zu Berlin wurde 1809 unter dem Namen Friedrich-Wilhelms-Universität gegründet. Ca. 38.000 Studierende sind immatrikuliert.

Infos zum Master Bibliotheks- und Informationswissenschaften

Infos zum Master Digital History

Freie Universität zu Berlin

Die Freie Universität zu Berlin wurde 1948 gegründet und zählt über 31.000 Studierende.

Infos zum Master Public History

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

die Universität Bonn teilt mit der Humboldt-Universität zu Berlin mehr als den guten Ruf: Auch die HU hieß bei ihrer Gründung noch ‚Friedrich-Wilhelms-Universität‘ – nach Friedrich Wilhelm III. In Bonn sind über 41.000 Studierende immatrikuliert.

Infos zum Master Provenienzforschung und Geschichte des Sammelns

Spannend? Dann unterstütze uns!
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.